Wer macht, was alle machen, verschafft sich keinen Vorsprung

September 28, 2018
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Quelle: culturefit.com

‍Wie CIOs in die Irre geführt werden

Wer wagt, gewinnt, heisst es. Doch kein mutiges Vorhaben sollte leichtfertig angegangen werden: Zuerst gilt es zu prüfen, welche Optionen es gibt und was E-Commerce-Anwendungen tatsächlich für Sie leisten können. In Gesprächen mit unseren Kunden haben wir gelernt, dass sie viel zu viele Entscheidungen treffen und Risiken eingehen müssen. Was würde ein CIO tun? Wir wissen, dass Entscheidungsträger oft zu einem bekannten Produkt tendieren, das auf den ersten Blick weniger riskant erscheint. Deshalb fällt die Wahl häufig auf einen «Branchenstandard». Zudem sucht ein CIO nach Wegen, den Wert der IT-Investitionen mit Zahlen zu belegen und zu zeigen, ob sie dem Unternehmen insgesamt einen Nutzen bringen.

Bevor das mutige Vorhaben startet, setzt die Geschäftsleitung dem CIO eine Frist. Oft liegen zu diesem Zeitpunkt noch keine Spezifikationen vor. Klar ist nur: Die neue Lösung soll besser sein als die aktuelle. Um die Sache ins Rollen zu bringen, stehen dem CIO drei Wege offen:

  1. Die gleiche Technologie wählen wie die Konkurrenz (oft eine monolithische Anwendung).
  2. Agenturen fragen, welche Lösung sie empfehlen würden. Dieser Weg endet fast immer mit der Empfehlung genau der Lösung, für die die Agentur auch Entwicklungsleistungen anbietet. Welch eine Überraschung.
  3. Eine interne Untersuchung starten, die unweigerlich beim Gartner Magic Quadrant landet (der monolithische Anwendungen bevorzugt).

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CIOs brauchen einen unvoreingenommenen Ansatz

Alle drei Wege führen zur selben voreingenommenen Präferenz: einer monolithischen Lösung. Woher kommt diese Voreingenommenheit?

  1. Dasselbe zu tun wie die Konkurrenz ist kein Wettbewerbsvorteil. Sie haben dann dieselben Probleme wie Ihre Mitbewerber und verlieren Geld, um dieselben Fehler zu beheben. So kommen Sie nicht voran, sondern liegen vermutlich Lichtjahre zurück, denn Ihre Konkurrenz arbeitet schon viel länger mit dieser Lösung.
  2. Dienstleister wollen eine Lösung verkaufen, die sie bevorzugen, nicht die, die am besten zu Ihren Anforderungen passt. Ein Magento-Dienstleister verkauft Ihnen eine Magento-Lösung, weil sie angeblich die beste ist und alles kann, was Sie wollen. Bei Hybris, Elastic Path usw. ist es dasselbe. Was Sie wirklich wollen, ist zweitrangig: Diese Dienstleister kennen ihre Anwendungen, und genau die können sie für Sie entwickeln. Mit der Wahl der Dienstleister, die Sie anfragen, legen Sie Ihre Optionen also im Grunde schon fest.
  3. Der Magic Quadrant ist ein Diagramm, das mit komplexen multivariaten statistischen Analysen den qualitativen Nutzen verschiedener E-Commerce-Lösungen bewertet. Erstellt wird es vom Forschungs- und Beratungsunternehmen Gartner. Untersucht werden nur die gängigen Lösungen, bevorzugt wird meist die Enterprise-Lösung, die alle generischen Anforderungen abdeckt, und das ändert sich von Jahr zu Jahr. Was passiert, wenn Sie Ihre Entscheidung auf den Magic Quadrant gestützt haben und Gartner die gewählte Lösung im Folgejahr als veraltet einstuft? Was tun Sie dann? Und was sagen Sie der Geschäftsleitung?

Früher war ein Monolith sinnvoll: Wir mussten eine ganze Reihe von Funktionen in einem einzigen System «bündeln», weil es so einfacher zu verwalten war. Wir folgten einer linearen, fliessbandartigen, fordistischen und tayloristischen Methodik und verwalteten Software wie ein Unternehmen. Mit diesen alten Denkweisen planten wir Buchhaltung, Management und Betrieb unserer Unternehmen, und das ergab Sinn (und tut es teilweise noch). Jede kleine betriebliche Strategie beruhte auf Kosteneffizienz und auf Organisationsmodellen, die am besten zu Produktion, Vertrieb und finanziellem Wachstum passten. Diese Denkweisen übertrugen wir auf Software. Wir setzten alles auf eine Karte, und das machte Software verwundbar. Deshalb werden die alten Arbeitsweisen immer riskanter: Angreifer kennen Ihren Monolithen ebenso gut wie das Entwicklungsteam, das ihn absichern soll. Zudem machen die alten Arbeits- und Denkweisen Ihre Prioritäten, Initiativen und Services vorhersehbar, wenn nicht sogar identisch mit denen Ihrer Konkurrenz.

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Quelle: der Monolith aus «2001: Odyssee im Weltraum»

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Was Befürworter monolithischer Architekturen CIOs oft verschweigen, sind die Kosten der Entwicklung mit einer monolithischen Lösung:

  • Schwer zu ändern und zu aktualisieren: Mit jeder neuen Funktion entfernt sich die Anwendung weiter von ihrem ursprünglichen Design, bis ihre Struktur etwas völlig anderes ist. Weil der Code so stark voneinander abhängt, lässt er sich kaum in seine Einzelteile zerlegen, und Nebenwirkungen von Verbesserungen sind schwer einzugrenzen. Je mehr Funktionen hinzukommen, desto schwieriger wird es, sie auf einen sichereren Stand zu bringen.
  • Begrenzte Agilität: Sie reagieren langsamer auf Kundenbedürfnisse und können nicht schnell genug in die Produktion ausliefern. Zudem erfordert selbst eine kleine Änderung ein vollständiges Redeployment. Entwicklerinnen und Entwickler können die Auswirkungen ihrer Änderungen schwer überblicken, und sind mehrere Teams beteiligt, braucht es einen komplexen Release-Plan, um Deployments und Auslieferung abzustimmen.
  • Neue Technologien lassen sich schwer einbinden: Bei der Vielzahl neuer und verbesserter Technologien ist es oft schwierig, sie in Ihre bestehende, eher starre Lösung zu integrieren. Durch diese Unbeweglichkeit dauert es länger, bis CIOs neue Technologien einführen können. Und dann führt die Entscheidung für eine neue Technologie oft dazu, dass ein Grossteil des Monolithen neu geschrieben werden muss.
  • Schwer zu skalieren: Monolithische Anwendungen lassen sich nicht so leicht skalieren, und Grenzen bei Servern und Infrastruktur belasten Ihre E-Commerce-Lösung immer wieder. Ein CIO verlangt laufend nach Funktionen, die den Umsatz steigern und Leads generieren können. Kommt die Infrastruktur nicht mit, muss die Lösung skalieren. Altsysteme sind jedoch wenig flexibel und erfordern aufwendige Hardware- und Software-Upgrades. Mit nicht monolithischer Software lässt sich die Skalierung über verschiedene physische oder virtuelle Server deutlich einfacher umsetzen.

Was sind die eigentlichen Kosten? Die Kosten für den Kunden und für die Fähigkeit des Unternehmens, in einem sich rasch wandelnden B2B-Umfeld auf Kundenbedürfnisse zu reagieren.

Warum entscheiden sich CIOs trotzdem für monolithische Anwendungen? Weil diese Lösungen ein Komplettpaket bieten: fest verschnürt und sofort startklar! Stellen Sie sich ein Geschenk vor: versiegelt und mit allem, was Sie sich nur wünschen können. Die Frage ist: Brauchen Sie das alles wirklich? Wäre es nicht kostengünstiger, nur das zu kaufen, was Sie gerade brauchen, und den Funktionsumfang mit der Zeit zu erweitern? Bedenken Sie: All diese tollen Funktionen und Tools müssen in den kommenden Jahren gepatcht und gewartet werden.

Natürlich glaubt der CIO, dass dies alles ist, was der Markt zu bieten hat. Wer widerspricht schon dem Gartner Quadrant? Er ist ja schliesslich «magisch»! Nun, wir tun es!

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Der CIO und die Welt jenseits des Magic Quadrant

Wir halten den Gartner Magic Quadrant für eine geradezu fantastische Darstellung von Voreingenommenheit, denn die Kriterien beruhen auf qualitativen Massstäben, die weder klar definiert noch genau erklärt sind. Deshalb sollte sich ein CIO nicht darum kümmern, was im Magic Quadrant steht:

  1. «Completeness of Vision», eine der beiden Achsen, bezieht sich laut Gartner auf Strategie, Geschäftsmodell und Gesamtangebot eines Unternehmens. Bei genauerem Hinsehen werden diese Unterkategorien jedoch nicht aufgeschlüsselt. Stattdessen gibt es eine Gesamtbewertung, die allein auf der Interpretation der Gutachter beruht und nicht auf Fakten.
  2. Softwareentwicklung und technische Innovationen entwickeln sich schneller, als Gartner sie im Quadranten abbilden kann. Der Quadrant wird einmal im Jahr aktualisiert, und wenn Sie ihn lesen, ist die Analyse bereits überholt.
  3. Bestehende Lösungen werden bevorzugt. Es fällt auf, dass Jahr für Jahr dieselben Namen auftauchen: Oracle, SAP Hybris, IBM, Magento, Intershop (die «Big Five»). Gartner traut den Big Five zu, vorausschauend zu handeln und sich mit aller Kraft für ihren künftigen Erfolg einzusetzen. Dasselbe gilt aber für jeden anderen Technologie-Stack, der bessere Ergebnisse liefert als die Big Five.
  4. Gartner ist ein Forschungs- und Beratungsunternehmen, das auf stabile und verfügbare Informationen angewiesen ist. Die Big Five liefern diese in der Regel, während Open-Source-Lösungen den Umsatz nicht ganz oben auf ihre Agenda setzen (anders als die Big Five). Sich auf vorhandene Daten und Lösungen zu stützen, vereinfacht Gartners Forschungsansatz.


Die Big Five setzen auf eine monolithische Architektur, also auf genau die Architektur, von der wir wissen, dass sie nicht die Zukunft ist und auch nicht das, was sich ein zukunftsorientierter CIO wünscht. Ein solcher CIO verlässt sich nicht einfach auf einen sogenannten «Magic Quadrant» von Forschenden, die vermutlich nie eine der Big-Five-Lösungen umgesetzt haben, so wie wir. Sie kennen weder die Kosten einer solchen Einführung noch die Risiken, die ein CIO bei der Entscheidung für eine der Big Five vermeiden muss.