Ergebnisse unserer E-Commerce-Evaluation
July 17, 2018
Vorwort
Wir wollen klären, ob diese E-Commerce-Frameworks nicht nur die Grundfunktionen bieten, sondern auch den zunehmenden Trends gerecht werden. Ein stabiles, zuverlässiges, konsistentes und einfaches E-Commerce-Framework kann den Unterschied machen: für ein besseres Kundenerlebnis, mehr Verkaufschancen, eine agilere Organisation und einen grösseren Funktions- und Serviceumfang. Welche Funktionen braucht meine E-Commerce-Anwendung, um auf diese Trends reagieren zu können? Wir wissen, dass es mehr gibt als Enterprise-E-Commerce-Lösungen (die Big Five). Wir wollen an vorderster Front stehen, genau in dem Moment, bevor der CIO die folgenreiche Entscheidung trifft, die über die nächsten Schritte des Unternehmens bestimmt. Mit unserer Evaluation wollen wir Chancen aufzeigen, die sonst übersehen werden!
Warum ist uns das wichtig?
Die Softwareentwicklung verändert sich, verbessert sich und passt sich neuen Bedingungen und Ansätzen an, die unsere bisherigen Paradigmen infrage stellen. Wir haben viele Jahre Softwareentwicklung und ihren Wandel miterlebt. Nun haben wir uns zusammengetan, um an der Spitze dieser Entwicklung zu stehen, Türen zu öffnen und unsere Kunden für zukunftsorientierte Lösungen und unkonventionelle Ansätze zu begeistern: für eine Welt jenseits des Monolithen.
Wir möchten unseren Kunden eine Perspektive bieten, die nicht allein auf Enterprise-Lösungen setzt oder auf eine generische Lösung, nur weil sie «einfacher» ist. Wir zeigen einen chancenorientierten Ansatz, der die Geschäftsziele besser widerspiegelt als eine grosse, komplexe Lösung, die jahrelang angepasst und erweitert werden muss, bevor sie überhaupt nutzbar ist. Unsere Idee: Warum nicht eine Lösung nach höchsten Entwicklungsstandards bauen, die den B2B-Funktionsumfang bietet und die Bedürfnisse Ihrer Fachbereiche erfüllt, ohne unnötigen Ballast und Performanceprobleme?
Sie können alles haben, ohne Abstriche bei Ihrer E-Commerce-Softwarearchitektur zu machen
Bei der Sly AG entwickeln wir Software auf Basis einer Microservices-Architektur. Manche bevorzugen eine serviceorientierte Architektur, wie sie die Big Five anbieten. Es gibt jedoch einen alternativen Weg, der Komplexität und Kosten senkt, Wartbarkeit und Resilienz verbessert und eine Lösung bietet, die zwar weniger schwerfällig, aber ebenso leistungsfähig ist.
Die Ergebnisse
Aus unserer Analyse und Erfahrung mit den Unterlagen der E-Commerce-Anbieter sowie unserer Prüfung der angebotenen Funktionen haben wir die folgenden Diagramme erstellt.
Mithilfe der Pearson-Korrelation haben wir die z-Werte der E-Commerce-Anwendungen bestimmt und im Quadranten abgetragen. So konnten wir die Verteilung normalisieren und den Abstand zwischen den einzelnen Punkten sowie ihren Zusammenhang verstehen. Die Pearson-Korrelation erlaubt es, die Variablen und ihre Verteilung auf einen Bereich von −1 bis +1 zu standardisieren. Weil die Anbieter unterschiedlich viele Funktionen angeben (und manche gar nicht), zeigt die Verteilung jedoch einige Ausreisser. Der Abstand zwischen den Variablen ist recht gross, was mit der Menge an bewertbaren Informationen zusammenhängen dürfte. Manche Anbieter dokumentieren ihre Funktionen ausführlich (Oracle, Elastic Path und Hybris), andere deutlich weniger (Squarespace, Shopify, Moltin).

Mit Millioneninvestitionen in Softwarearchitektur und Entwicklung haben die Big Five eine grosse Komplexität erreicht und bieten dafür einen hohen Funktionsumfang. Unsere Ergebnisse zeigen durchgehend, dass sich die Big Five eine solide Position erarbeitet und mit ihren Lösungen viel Zugkraft entwickelt haben. Mit dem Aufkommen von Microservices stellen wir jedoch fest, dass nur wenige von ihnen den Sprung wagen und ihre Architektur an das neue Paradigma anpassen. Die Big Five sind überwiegend SOA-orientiert und nutzen die technische Leistungsfähigkeit, die in ihren Schichten steckt. Teilweise sind sie auch Microservices-orientiert: Einzelne Funktionen lassen sich technisch unabhängig vom Rest bereitstellen. Wegen der engen Kopplung ist es aber schwierig, Fehlerursachen zu finden und Updates für diese Teile zu bauen.

Die Big Five bewegen sich in Richtung grösserer Systemautonomie, indem sie den Einsatz von Microservices fördern und ihre Umgebung sogar für Entwicklerinnen und Entwickler öffnen, die eigene Microservices bauen (zum Beispiel Hybris YaaS, ein Marktplatz für Microservices-Anwendungen für Hybris-Lösungen). Andere haben von Anfang an konsequent auf Microservices gesetzt, etwa Elastic Path, das (im Guten wie im Schlechten) trotz einer einzigen Datenbank auf Microservices-orientierte Funktionen setzt. Leider lassen sich nicht alle Funktionen abschalten.
Und die anderen? Sie kommen unserer bevorzugten Lösung näher: Microservices-basiert. Wir bewerten sie mit hohem Funktionsumfang, weil sie sich flexibel passend weiterentwickeln lassen. Den Big Five gegenüber stehen Lösungen, die vielen Entwicklerinnen und Entwicklern unbekannt sind: commercetools, React Commerce, Unchained und Cezerin.

Unsere Analyse und Bewertung zeigen: Teure Anbieter liefern traditionell den grössten Funktionsumfang sofort einsatzbereit mit. Die Herausforderung besteht darin, alle Funktionen zu deaktivieren, die für Ihr Geschäft irrelevant sind. Sonst laufen diese Funktionen womöglich im Hintergrund weiter und lösen unnötige Aufrufe aus, die zwangsläufig Fehler erzeugen, weil es keine Daten abzurufen gibt. Nach vielen Stunden Beratung und Entwicklung lassen sich diese Funktionen aus der monolithischen Struktur herauslösen und damit deaktivieren (Vorsicht: Andere Funktionen dürfen dadurch nicht beeinträchtigt werden). Manchmal ist das Herauslösen gar nicht nötig, weil die Big Five einen Schalter anbieten, mit dem sich Funktionen bei Bedarf ein- und ausschalten lassen. Die entsprechenden Codezeilen bleiben aber bestehen, und wer sie nach dem Deaktivieren entfernt, gefährdet womöglich andere Funktionen, die davon abhängen. Oft ist schwer zu erkennen, wo eine Funktion beginnt und endet. Die Abhängigkeiten können zu gross und das Risiko zu hoch sein, um Komponenten zu deaktivieren, die Ihr Geschäft nicht braucht.
Out-of-the-box-Lösungen klingen auf den ersten Blick vielversprechend. Wir wissen aber nur zu gut, was es kostet, sie zu verschlanken und die Prozesse so zu vereinfachen, dass die Bedürfnisse der Kunden im Mittelpunkt stehen und nicht Funktionen, die Kunden in der Regel gar nicht brauchen.
Ist eine Out-of-the-box-Lösung auf lange Sicht günstiger, oder kommt es teurer, sie anzupassen und auf Ihre Anforderungen zurückzustutzen?
Am anderen Ende stehen Lösungen, die mehr Funktionsumfang zu geringeren Kosten bieten. Das liegt an ihrer flexiblen Entwicklung: Funktionen lassen sich auf dieselbe Weise integrieren, aber gezielt auf die Bedürfnisse des Kunden zugeschnitten. React Commerce, Cezerin, Nemesis, Broadleaf und Unchained bringen nur wenige Funktionen von Haus aus mit, und diese sind bei Weitem nicht so umfassend wie bei Oracle Commerce, Intershop und Hybris. Das ist Absicht, denn eine aufgeblähte Enterprise-Lösung erfüllt Ihre Anforderungen am Ende womöglich nicht: Es ist einfacher, eine massgeschneiderte Lösung zu bauen, als eine bestehende zurückzubauen und dann anzupassen.


