SaaS-Zwang der SAP Commerce Cloud: Mehr Kosten für weniger Freiheit?

May 15, 2026

SAP hat die Einstellung des Supports für SAP Commerce (ehemals Hybris) angekündigt. Als "Sunset Date" wurde der 31. Juli 2026 angegeben. Bestehende Kunden erhalten bis 2028 Sicherheitsupdates, können das System aber nicht weiterentwickeln. SAP verfolgt damit eine "Cloud-First"-Strategie, die Weiterentwicklungen nur auf SaaS-Lösungen ermöglicht. SAP nutzt ein in Azure gehostetes SaaS-Modell, das nahtlose Updates, Sicherheitspatches und Verbesserungen ermöglicht. Dies kann den Betrieb der Infrastruktur vereinfachen, führt aber zu eingeschränkten Anpassungsmöglichkeiten.

SAP-Commerce-Bestandeskunden, die noch nicht in der SAP Commerce Cloud sind, werden mehr oder weniger zu einer Migration bis 2028 gezwungen. SAP gibt an, dass mit einer Migrationszeit von 4-8 Monaten zu rechnen ist. Für massgeschneiderte Integrationen in einer komplexen IT-Architektur ist mit längeren Zeiten zu rechnen.

Wieso wird in die Cloud migriert?

Welche konkreten Vorteile die Cloud den Kund:innen bringen soll, ist unklar. Der Aufbau eines Standard-Webshops ohne individuelle Integrationen mag zwar einfacher werden. Für jegliche Anpassungen ist aber mit höheren Einschränkungen und Aufwänden zu rechnen.

Es scheint, dass dieses Geschäftsmodell vor allem für die Software-Anbieter rentabler ist. Das bedeutet, dass Sie als Kunden mit höheren Kosten und einer grösseren Abhängigkeit rechnen müssen. Aufgrund der Preisentwicklung bei Cloud-Lösungen ist davon auszugehen, dass die Kosten für die neue Cloud-Lösung kontinuierlich steigen werden.

Wenn Sie SAP Commerce (on-premise) verwenden, steht ein grosses Migrationsprojekt bevor.

Gibt es Vorteile der Migration in die SAP Commerce Cloud?

Vorteile der Cloud-Lösung:

  • Als Vorteil wird stets angegeben, dass Kunden weniger Hardware beschaffen müssen und deren Wartung auslagern können. Nach bald 20 Jahren Cloud Lösungen zeigt sich aber, dass die Kosten für Cloud-Lösungen stetig steigen und langfristig teurer als Selfhosting werden können. Je nach Ihren Ansprüchen kann dies sogar ein Nachteil sein.
  • Einfacherer Betrieb: Für Standardlösungen kann SaaS tatsächlich zu mehr Effizienz führen (einfachere Maintenance, automatische Updates etc.). Individuelle Lösungen werden jedoch anspruchsvoller und teurer.
  • Cloud-Lösungen reduzieren den DevOps-Aufwand, da sie Hardware-Wartung, Updates, Skalierung und Sicherheit automatisieren. Ein paar Beispiele sind: automatisierte Backups in georedundanten Rechenzentren; Cloud-Plattformen mit zentraler SSL/TLS-Zertifikate Verwaltung und automatischer Erneuernung; mit Autoscaling dynamisch an Bedürfnisse angepasste Hardware-Ressourcen; horizontales Scaling mit zusätzlichen Instances/Container (z.B. Kubernetes-Pods) bei Bedarf; integrierter DDoS-Schutz.
  • Die AI-Integration ist ein valides Argument für die Cloud. Diese kann wegen der hohen Rechenanforderungen in einer SaaS Cloud besser integriert werden. Allerdings benötigen nicht alle Services eine AI-Integration.

Nachteile der Cloud Lösung:

  • Vendor Lock-in: Sie werden stärker an SAP gebunden. Das Lock-in führt meist dazu, dass ein Wegzug immer aufwändiger wird.
  • Keine Multi-Cloud oder hybride Lösungen: Hosting ist nur über Microsoft Azure möglich, was Ihre Wahlfreiheit erheblich limitiert.
  • Weniger Flexibilität: Die SaaS Lösungen setzen auf "one size fits all". Individuelle Integrationen werden teurer und umständlicher. Jede Anbindung an ein (von SAP) unerwartetes System wird zusätzliche Aufwände generieren und kann von zusätzlicher Middleware abhängig sein. Diverse Optimierungen sind auf der SAP Cloud Lösung nicht mehr möglich.
  • Kosten: Die Kosten für Standardlösungen können kurzfristig geringer ausfallen. Insgesamt ist jedoch mit stetig steigenden Kosten zu rechnen. Zudem verlangen einige Anbieter höhere Gebühren bei starker Nutzung oder umsatzabhängige Lizenzkosten. Dies erschwert die Kostenkontrolle.
  • Datenschutz: Sie haben weniger Übersicht und Kontrolle über Ihre Daten und deren Verarbeitung. Zudem unterliegen Sie den Launen Ihrer Anbieter, die dafür bekannt sind, ihre Nutzungsbedingungen eigenmächtig und zum Nachteil der Kunden ändern.
  • Architektur: Die SAP Commerce Cloud ist monolithisch aufgebaut. Trotz Spartacus-Frontend und APIs ist die Einbindung von Composable Microservices nicht vollständig gegeben. (Dieser Nachteil liegt zwar in der Architektur von SAP Commerce und ist nicht durch die Cloud bedingt.)

Fragen Sie sich also: Lohnt sich eine teure und aufwändige Migration zu demselben Anbieter, der mich jetzt zur Migration zwingt? Wann werden Sie zur nächsten Migration gezwungen werden? Welche Konditionen werden dann gelten? (Hint: Die Konditionen werden sich nicht verbessern).

Nutzen Sie stattdessen die Gelegenheit, um unabhängiger zu werden und aktualisieren Sie Ihre Systemlandschaft auf ein Composable Commerce System mit MACH-Architektur.

Welche Alternativen gibt es zu SAP Commerce (on-premise)?

Option 1: Wechsel zu SAP Commerce Cloud: 👎
Damit bleiben Sie in einem monolitischen Ökosystem und rundum von SAP abhängig.

Option 2: Wechsel zu einer alternativen SaaS Lösung wie Adobe Commerce, Shopify: 👎
Vom Regen in die Traufe. Sie bleiben weiter in proprietären Systemen mit teuren Lizenzen und ähnlichen Abhängigkeiten wie bei SAP.

Option 3: Wechsel zu einer MACH-based Commerce Lösung: 👍
Mehr Flexibilität und bessere Kostenkontrolle ohne versteckten Gebühren. Weniger Abhängigkeit von einzelnen Anbietern (inkl. der Möglichkeit, rein europäische Lösungen zu verwenden.)

Abwarten ist keine Option mehr. Kontaktieren Sie uns für eine Beratung, wie Sie Ihre Commerce Lösung nachhaltig, unabhängig und personalisierbar weiterbetreiben können.

Wenn Sie sich für einen Wechsel entschieden haben, finden Sie im nächsten Beitrag die nächsten Schritte zur Migration von SAP Commerce zu einer alternativen Lösung.